2012-2023
Gehen oder bleiben?
Klimawandel in Ober-Mustang und Anpassungsstrategien
Arbeitsbeziehungen
Der Klimawandel hat in der Himalaya-Region starke Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Insbesondere einige Dörfer in Upper Mustang sind während der Monsunzeit einem erhöhten Risiko von Erdrutschen und Überschwemmungen ausgesetzt. Außerdem ist die Menge des Wassers, das für die Bewässerung der Felder im Frühjahr zur Verfügung steht, aufgrund der geringeren Schneereserven in den Bergen deutlich geringer. Dies hat drei Dörfer dazu veranlasst, eine Umsiedlung in fruchtbarere und sicherere Gebiete zu erwägen.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Umsiedlung einer ganzen Gemeinde viele Probleme mit sich bringt (Zugehörigkeitsgefühl, Konflikte um den Zugang zu Ressourcen, Verteilung von neuem Land,…) und dass sie komplexer sein kann, als man es sich zunächst vorstellt, zielte dieses Projekt darauf ab, die geeignetste und nachhaltigste Strategie zur Bewältigung der aktuellen klimatischen Herausforderung zu ermitteln und die Frage zu beantworten: „Ist es sinnvoll, das gesamte Dorf umzusiedeln oder nicht? Wenn ja, unter welchen Bedingungen kann dies erfolgreich durchgeführt werden? Wenn nicht, was ist die Alternative, um die Probleme vor Ort zu lösen?“
In einer ersten Phase hat Kam For Sud daher in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geowissenschaften der SUPSI und mit der Lo Mustang Foundation die Situation in drei von der Wasserkrise stark betroffenen Dörfern untersucht: Samdzong, Yara und Dheye. Eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe analysierte die Möglichkeiten zur Linderung von Wasserknappheit und Naturgefahren durch technische Maßnahmen vor Ort, studierte meteorologische und klimatische Daten und Modelle und verglich eine Reihe von Parametern der ursprünglichen Siedlung mit dem potenziellen Umsiedlungsort.
Außerdem wurden alle betroffenen Familien befragt, um die soziokulturellen Aspekte zu bewerten.
Alle drei Dörfer Samdzong, Yara und Dheye sind auf Schneewasserquellen angewiesen. Aufgrund der globalen Erwärmung gibt es jedoch immer weniger Schnee und da die verfügbaren Wasserressourcen bereits voll ausgeschöpft sind, gibt es keinen Spielraum, um den Rückgang der Schneemasse auszugleichen. Die Arbeitsgruppe hat technische Maßnahmen zur Verbesserung der Einzugsgebiete, zur Verringerung der Verluste entlang der Bewässerungskanäle und zur Verbesserung der Wasserverteilung auf die verschiedenen Parzellen ermittelt, was zu einem erheblichen Wassergewinn führt.
Die Untersuchung von Daten und Klimamodellen hat jedoch ein dramatisches Szenario für Mustang ergeben: bis zum Ende des Jahrhunderts wird ein Temperaturanstieg von 6 bis 10 Grad erwartet. Angesichts dieser Realität würden mögliche technische Maßnahmen das Problem nur kurzfristig lösen und die Frage würde sich in nicht allzu ferner Zukunft erneut stellen. Daher scheint es für Samdzong und Dheye unmöglich zu sein, sich an das Leben in ihren derzeitigen Siedlungen anzupassen, indem sie die verfügbare Wassermenge reduzieren, d.h. die landwirtschaftliche Produktivität verringern. Von den drei Dörfern ist Yara das einzige, dem es gelingen könnte, den Wasserverbrauch und damit die landwirtschaftliche Produktion zu reduzieren, indem es seine wirtschaftlichen Aktivitäten diversifiziert, da es an einer Touristenroute liegt.
Die Einwohner von Samdzong und Dheye haben beschlossen, in die Gebiete von Namashung (ein Wasserreservoir, der 6-mal größer ist als der von Samdzong) und Thangchung (ein Wasserreservoir, der 36-mal größer ist als der von Dheye) zu ziehen, die beide von Quellen gespeist werden, die zumindest teilweise glazialen Ursprungs sind. Damit wird die Wasserversorgung der Dörfer auf jeden Fall bis zum Ende des Jahrhunderts und wahrscheinlich darüber hinaus sichergestellt. Obwohl die Älteren beider Gemeinschaften ihr Heimatdorf nur ungern verlassen, spornen der starke soziale Zusammenhalt, das tiefe Gemeinschaftsgefühl und die Sorge um die Zukunft der jüngeren Generation sie an, sich der Mehrheitsentscheidung anzupassen.
Um die Wasserversorgung (Trink- und Bewässerungswasser für die Felder) in der neuen Siedlung Dheye sicherzustellen und die Wassergewinnung und -verteilung in Yara zu verbessern, hat Kam For Sud in einer zweiten Projektphase spezifische technische Beratung geleistet.
Kam For Sud distanziert sich von dem Samdzong Umsiedlungsprojekt, angesichts der Tatsache, dass der vorgeschlagene Standort für die neue Siedlung als unsicher eingestuft wurde. Es gibt ebenfalls das Risiko eines Einsturzes des stromaufwärts gelegenen Gletschersees, der eine plötzliche schwere Überschwemmung verursachen würde (sog. GLOF: ‚glacial lake outburst flood‘). Andererseits haben zwei Murenabgänge, die auf den Zusammenbruch von Gletscherseen im Chumaka Khola-Becken zurückzuführen sind (1984 und 1987), bereits das für die zukünftigen Namashung-Camps vorgesehene Gebiet mit Kies und Blöcken von bis zu mehr als 2 Kubikmetern Größe überschwemmt.
Das Dorf Dheye hat mit der Unterstützung einer französischen NGO eine neue Siedlung in Thangchung gebaut, während das alte Dorf als eine Art Bergweide erhalten blieb.
Das Dorf Yara hat die Herausforderung angenommen, auf seinem eigenen Land zu bleiben und seine wirtschaftlichen Aktivitäten zu diversifizieren. In einer dritten Projektphase Kam For Sud bot dann landlosen Familien im Dorf Yara über ein Mikrokreditprogramm eine Herde von hundert Ziegen an und führte einen gemeinschaftlichen Obstgarten ein, der der gesamten Gemeinschaft zugute kommt.
In Anbetracht des Interesses, das der Obstgarten in der Region hervorgerufen hat, wurde es, in Zusammenarbeit mit der französischen NGO Bessin-Népal, für alle fünf Dörfer des Bezirks vorgeschlagen: Yara, Ghara, Dheye, Tange, Surkhang/Dhi. Es wurden zehn verschiedene Apfelbaumsorten gepflanzt, insgesamt etwa 80 Bäume in jedem der fünf Dörfer.
Die technische Begleitung bei der Bewirtschaftung der Obstgärten (Bewässerung, Beschneidung, Düngemittelversorgung, Schädlingsbekämpfung, Veredelung) wurde bis am Ende des Projekts in 2023 gewährleistet.
Der Arbeitsbericht der Phase 1 besteht aus vier Bänden: ein eigenständiger Bericht für jedes Dorf sowie ein zusammenfassender Bericht. Zwei Berichte fassen die in Phase 2 geleistete Arbeit zusammen, während für Phase 3 im Jahr 2019 ein Missionsbericht erstellt wurde, der die Arbeit umfassend zusammenfasst. Alle Berichte können unten heruntergeladen werden: